Apr
18
bodenlose ungerechtigkeit
Filed Under mit oder ohne alles, perfidie |
das dsds-finale verpasste mir eine schmerzliche ohrfeige und nahm mir den glauben an das gute, gab mir aber dafür den glauben an die macht der bildzeitung. naja, nicht mal das, aber vielleicht den nebelhaften einblick in die schichtenstruktur der deutschen fernsehzuschauerschaft und/oder in die statistische verteilung und spieltheorie. vor einigen tagen las ich in einem kommentar einen aufruf an diejenigen die auf menowins seite standen, dassse 30 mal anrufen sollen. nun würde man denken, ein bruchteil der anrufer würde tatsächlich mehrmals für menowin anrufen, während diejenigen die für mehrzad stimmen würden sich vielleicht im glauben wähnen könnten, er sei auf der sicheren seite, und so weiter und so fort, so dass sich ein umgekehrter effekt einstellen würde. die hetze der bild hat natürlich ihr übriges getan, von der meinung der “prominenten” ganz zu schweigen.
das resultat ist verheerend, das ende der staffel ist kein gewinner, sondern zwei verlierer, denn so “professionell” und fleißig mehrzad auch sein mag, er ist ein weiteres graues schaf in der reihe der superstars, die von alexander klaws angeführt wird, für die breite öffentlichkeit also eigenschafts- und charakterlos, trotz (oder gerade wegen) seiner “gefühlvollen” und romantischen art.
es gab keine wunderbare aufstiegsgeschichte, keinen zauber, sondern einen verlierer, der verloren hat, obwohl er an sich geglaubt hat und deutlich mehr talent besitzt als jemand, der nur aufgrund seiner harten arbeit so weit oben angelangt ist. das ist mal wieder typisch, gut gemacht, deutschland.
die eine parade der intransparenz jagt die nächste: während nina eichinger leider wegen der aschewolke in los angeles festsaß, musste eine andere blonde frau als ersatz her: silvie van der vaart, die mir nur in erinnerung geblieben ist, weil sie sagte “von deinem gesang bekomme ich ein weichei!”.
die medienwirksamkeit einer show wie dieser zeigt (vor allem anhand der kommentare zu artikeln von bild.de bis spiegel/zeit etc.) die bizarre seite der medaille. 98% der kommentierenden menschen finden dsds dämlich, sie bringen aber paradoxerweise die zeit und mühe auf, sich ausführlich darüber zu beklagen, obwohl zeitgleich rekordquoten von 6(?) millionen zuschauern gemessen werden. lustig ist auch, dass die scharfe “kritik” an dsds von ziemlich gegensätzlichen schichten geäußert wird, angefangen bei studenten (meinen mitstudenten, das soll man sich mal reinziehen), bis hin zu offensichtlichster unterschicht. das erinnert mich an den kleinen hund, der einen elefanten anbellt. bellen ist immer eine aufrichtige form der anerkennung, geht in meinen augen als protest also vollkommen in die hose, zumindest in diesem fall.